Funktionelle Kettenreaktionen (myofasziale Ketten)
Eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) wirkt sich nicht nur lokal im Kau- und Kieferbereich (stomatognathes System) aus, sondern kann über myofasziale und neurophysiologische Kettenreaktionen auch andere Körperregionen beeinflussen.
Typische funktionelle Zusammenhänge sind:
Kaumuskulatur und Kiefergelenk
Überlastungen oder Dyskoordinationen führen häufig zu muskulären Verspannungen – besonders im M. masseter, M. temporalis sowie M. pterygoideus medialis und lateralis.
Nacken- und Schultergürtelmuskulatur
Zwischen Kiefer- und Halsbereich bestehen enge funktionelle Verbindungen über Muskelketten, etwa über den M. sternocleidomastoideus, M. trapezius und M. levator scapulae. Störungen im Kieferbereich können sich daher in Form von Verspannungen, Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen in der Halswirbelsäule (HWS) äußern.
Wirbelsäule
Schutzreflexe und kompensatorische Haltungsveränderungen können dazu führen, dass sich CMD-bedingte Spannungsmuster entlang der gesamten Wirbelsäule ausbreiten. Eine kraniozervikale Dysbalance (im Bereich von Schädel und Halswirbelsäule) kann dabei bis in den Lendenwirbelbereich oder das Becken-Stützsystem übertragen werden.
Becken und untere Extremität
Langfristig können sich kompensatorische Muster auf das Becken und die Beine auswirken – mit möglichen Folgen wie Beckenverwringungen, funktionellen Beinlängendifferenzen oder Fußfehlstellungen.
Diese in der Regel absteigende Kette kann sich jedoch auch umkehren: Haltungsstörungen oder muskuläre Dysbalancen im Bereich von Becken, Beinen oder Füßen können nach oben hin weitergegeben werden – bis hin zur Kieferregion. In solchen Fällen können CMD-Symptome also auch als Folge einer sogenannten aufsteigenden Kette entstehen.